SchulCampus Rostock-Evershagen

Gymnasium und Regionale Schule im Verbund

12. Eintrag

Donnerstag, 19. Februar 2009

Nachdem wir am Mittwoch noch ziemlich erschlagen waren, stand uns heute (frisch und ausgeruht) sicherlich einer der spannendsten Tage bevor.
Zunächst nahmen wir unten im Dorf>>> >>> in der großen Kirche am Gottesdienst teil. Der Padre erwähnte uns in seiner Rede häufiger. Dann durfte Andrea während der Messe sogar im Namen der Gruppe eine Rede halten. Dies tat sie auch ohne Probleme und in bewundernswert sicherem Spanisch, wodurch sie einmal mehr die Ehre der Gruppe rettete.
Aber danach wurde es richtig spannend. In Gruppen zu je zwei oder drei durften wir die Häuser und Familien verschiedener Schüler besuchen.
Grit, Andrea und Steffen waren bei Sergio eingeladen. Dort lernten sie seine Mutter kennen. Sie spricht, wie ein großer Teil der Erwachsenen hier in Guatemala, gar kein Spanisch, sondern nur Quiché>>>. Mit ihr lebt er dort in einer kleinen Steinhütte, die nur aus einem Raum besteht, und bewirtschaftet neben seinen zwei Jobs in verschiedenen Schulen, und seinem Engagement in einer Organisation für Aufforstung auch noch das angrenzende Feld, auf dem Mais angebaut wird.
Nicht weit von dort entfernt waren auch Erik und Anne zu finden. Sie durften die Häuser von Anna (der kleinen Schwester von Natividad, die vor zwei Jahren in Rostock war), Rubén und Marcelino besuchen. Während die erste Familie mit ihren drei Steinhäusern (2 Schlafzimmer und eine Küche) für guatemaltekische Verhältnisse recht gut ausgestattet war und sogar noch Pfirsich- und Avocadobäume zusätzlich zu ihrem Feld hatte, sah es bei den anderen Familien teilweise ziemlich bedrückend aus. Die zweite Familie hatte nur eine Holzhütte, in der auch alle Familienmitglieder gemeinsam schlafen und essen. Die dritte Familie lebt sogar nur in einer notdürftig zusammengehaltenen Hütte ohne fließend Wasser und Strom.
Um so höher ist es zu bewerten, dass die Eltern (größtenteils Analphabeten) trotzdem wollen, dass ihre Kinder zur Schule gehen und versuchen das Schulgeld zusammen zu bekommen.
Spätestens nach diesem Besuch war uns dann klar, was für ein Luxus für die meisten Schüler das Leben im Internat ist – da sieht man die Tortillas und Bohnen doch wieder mit anderen Augen.

Tina und Sophie besuchten Mildred (Schwester vom Lehrer Andrés) und Augustin. Sie durften sich außer den Häusern der Familien noch zwei Schulen ansehen, wo die Geschwister der beiden zur Schule gehen.
Lisa, Phillip und Robert besuchten Francisco und Miguel. Diese beiden wohnen etwa 30 min Fahrt mit dem Chickenbus und von dort aus dann noch ca. 5 km Fußmarsch weit weg – aber keine 5 km, wie wir sie uns vorstellen. Es ging bergauf, bergab und eine „Abkürzung“ durch den Wald…
Auf dem Rückweg mit dem Pick-Up zum Internat, wurden wir alle mächtig eingestaubt und sahen wir noch die örtliche „Müllkippe“. In Ermangelung einer Alternative wird dort sämtlicher Müll der Gemeinde Chiquimula, der nicht verbrannt wird, abgeladen. Wahrlich kein schöner Anblick! Die Verantwortung dafür liegt bei der Municipalverwaltung, die sich für dieses Problem jedoch nicht weiter zu interessieren scheint.
Zum Mittag waren wir wieder zurück im Internat. Hier legten wir dann noch eine ungeplante Reflexionsrunde ein, um die Erlebnisse des Tages gebührend zu besprechen. Um 16:30 Uhr fand dann für die sportbegeisterten Schüler das ultimative Highlight statt: das Fußballturnier! Vorher wurden noch die aus Deutschland mitgebrachten Hansatrikots verteilt und schon ging es los. Auf dem aus Beton(!) bestehenden Sportplatz ging es hart zur Sache, die Spieler schenkten sich nichts. Zu unserer Ehrenrettung spielten Sergio und Andrés bei uns mit. Dies bescherte uns dann prompt den Sieg. Natürlich waren auch die Anfeuerungsrufe der Fans nicht zu unterschätzen – auch die guatemaltekischen Mädchen schlugen sich auf unsere Seite. Das lag – wie wir erfuhren – nicht zuletzt am Aussehen unserer Jungs!
In der Pause zwischen den Spielen der Jungen durften auch die Mädchen ihr fußballerisches Können erproben. Bei der großen Hitze und den vielen Höhenmetern, wollte sich von unseren Mädchen keine aufs Feld wagen, sodass diese Turnier rein guatemaltekisch blieb.
Mit Sonnenuntergang endete dann auch das Endspiel und das große Bällesuchen begann. Denn bei den wunderbaren Hängen ringsherum und den fehlenden Tornetzen, ging so mancher Ball verloren. Da es unser letzter Abend in der Partnerschule war, trafen sich gegen halb 10 noch einmal alle Schüler in der Bibliothek. Dort projizierten wir mit dem Beamer (ja, diesmal gab es Strom!) unsere Reisefotos. Es gab einige Lachanfälle und „Beschwerden“ bei den verantwortlichen Fotografen.
Ein gelungener letzter Abend!


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