SchulCampus Rostock-Evershagen

Gymnasium und Regionale Schule im Verbund

15. Eintrag

Sonntag, 22. Februar 2009

Wenn einer der Daheimgebliebenen denkt, wir machen hier Urlaub, dann irrt er gewaltig!
Auch am Sonntag war bei uns nicht Ausschlafen angesagt. Wir wollten zwar nach den anstrengenden letzten Tagen den heutigen etwas ruhiger angehen, nur kam da Osman mit der Nachricht, dass heute auf einem der größeren Plätze in Xela eine Maya-Zeremonie>>> stattfinden solle. Und dies um 9 Uhr. Da konnten wir natürlich nicht nein sagen und machten uns nach dem Frühstück auf den Weg. Schade nur, dass niemand weiter von diesem Termin wusste. Weit und breit war kaum einer zu sehen und zu hören. Wer hatte Osman denn da was erzählt?
Langweilig wurde uns trotzdem nicht, denn es waren ja noch einige Einkäufe zu erledigen. Und zufällig stießen Andrea und Grit dann doch auf diese Zeremonie, als sie unsere Reisekasse auffüllen wollten.
Das ganze war sehr interessant: Nach dem Mayakalender>>> beginnt in dieser Woche das Jahr 5124. Auf der Plaza war eine Feuerstelle aufgebaut, in der Gewürze und bunte Kerzen verbrannt wurden. Die Farben rot, schwarz, weiß und gelb stehen für die 4 Himmelsrichtungen: schwarz, für Westen, wo die Sonne untergeht, und rot für Osten, weiß und gelb für Norden und Süden, blau und grün stehen für Himmel und Erde. Zwei Frauen und ein Mann sprachen Gebete in Quiché und Spanisch. Eingeschlossen waren alle auf der Plaza versammelten Menschen, also auch Vertreter der Regierung und viele ausländische Gäste. Wir haben nicht wirklich viel verstanden; Osman erklärte uns später, dass diese Zeremonien mit viele Mystik verbunden sind.

Gegen Mittag fuhr ein Großteil unserer Gruppe in ein großes Einkaufszentrum am Stadtrand, denn schließlich galt es noch einige Aufträge zu erfüllen. So interessiert es doch immer wieder, was man in einem anderen Land für Grundnahrungsmittel und weitere Dinge bezahlt. Dabei haben wir erstaunt festgestellt, dass die Preise für Grundnahrungsmittel nur wenig billiger als bei uns sind. Allerdings muss man dabei beachten, dass die Gehälter hier nur einem Bruchteil der deutschen vergleichbaren Gehälter entsprechen. So verdient ein Lehrer an einer öffentlichen Schule ca. 230€, eine Verkäuferin gerade mal 60€.
Deshalb kaufen doch die meisten Guatemalteken in diesen vielen kleinen Tiendas (kleine Läden) ein, da diese um einiges billiger sind. Osman erzählte uns, dass er z. B. lediglich Windeln und Milch im Supermarkt kauft, wenn diese im Angebot sind. Alles weitere besorgt er in den Tiendas. Osman ist für uns eine Nachrichtenquelle über Guatemala, so dass der heutige Nachmittag für uns noch sehr aufschlussreich wurde. Er erzählte, dass bis ungefähr vor einem Jahr die Einheimischen meist gebrauchte, aus den USA importierte Kleidung kauften. Mittlerweile gibt es viele Importe aus China, die entsprechend günstig sind, so dass sich heute immer mehr Leute neue Kleidung leisten können. Das Staunen bekommt man, wenn man alles in Relationen setzt. So geht für eine normal große Drei-Zimmer-Wohnung fast ein ganzes Monatsgehalt weg; ein Besuch beim Augenarzt inklusive Anfertigung einer Brille für ein Kind steht dem nicht nach. Wenn dann nur einer in der Familie ein einigermaßen durchschnittliches Einkommen hat, kann es schnell eng werden.
Osman sagte uns, dass man überleben kann, nur wenn man krank wird, dann steht die Existenz auf dem Spiel.
Osman wollte auch noch wissen, wie die Woche in der Partnerschule war, was uns am meisten beeindruckt hat (die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen trotz der enormen Armut) und womit wir nicht so zurecht gekommen sind (das Essen und manche Wege). Wir haben mit Osman auch darüber gesprochen, wie wir uns auf die Reise vorbereitet hatten und welche Ziele wir mit der Partnerschaft verfolgen. Osman meinte, dass sie als Guatemalteken viel von uns lernen können, gerade in Bezug auf Planungen und langfristige Ziele und dass er die Partnerschule unterstützen will. Noch etwas haben wir heute diskutiert: Manchen in der Gruppe mutet es komisch an, indianische Frauen in typischer Tracht zu sehen, die in diesem für guatemaltekische Verhältnisse teurem Einkaufszentrum einkaufen oder essen, ein Handy benutzen oder vor einem Computer sitzen. Warum? Seit Jahrhunderten gehören die Mayas zur untersten sozialen Schicht, viele von ihnen leben noch heute in Armut. Aber die kulturelle Zugehörigkeit (Maya) ist ja nicht gleichbedeutend mit der sozialen Schicht (Armut). Es wäre schon eine tolle Vision, wenn die Mayas ihre Kultur inklusive Sprache, Kleidung und Religion erhalten können und trotzdem am gesellschaftlichen Leben der modernen Zivilisation teilnehmen können.

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